Die Doppellongenarbeit ist eine meiner liebsten Trainingsmöglichkeiten. Sie erfordert sowohl Einfühlungsvermögen als auch eine exakte und fein dosierte Hilfengebung.
Doppellonge geht klassisch doch nur auf Trense?
Ich habe diese Form der Ausbildung früher ebenfalls ganz klassisch auf Trense erlernt – zunächst im Gangpferdebereich und später bei der FN. Viel zu spät, wie ich finde, habe ich gelernt, dass die Arbeit auch am Kappzaum sehr fein und pferdefreundlich möglich ist.
Danke an dieser Stelle an Mike Geitner®. Als ich damals die Ausbildung zur Dualaktivierungstrainerin® bei ihm gemacht habe, begann ich, den Kappzaum auch für die Doppellongenarbeit zu nutzen.
Dafür ist es allerdings wichtig, zunächst eine gute Basis zu schaffen: Bevor mehrere Meter Doppellonge ins Spiel kommen, sollte eine feine Verbindung zur Pferdenase bereits im Führtraining mit einem leichten Strick erarbeitet werden. Denn auch am Kappzaum können durch lange Leinen, Reibung und ungünstige Einwirkung erhebliche Zugkräfte entstehen.
Überzeugt hat mich damals vor allem die Beobachtung der Doppellongenarbeit auf Trense – ebenso wie das Longieren mit einfacher Longe. Dabei sehe ich immer wieder deutlich sichtbaren Zug auf das Pferdemaul und die Zähne sowie erhebliche Kräfte, die auf das Pferd einwirken können.
Für mich war deshalb klar: Ich möchte ausprobieren, wie fein sich diese Arbeit am Kappzaum gestalten lässt.
Der große Vorteil der Doppellonge gegenüber der Arbeit mit einer einfachen Longe ist für mich die Vielfalt der Hilfen, die dir zur Verfügung stehen.
Welche Hilfen stehen dir zur Verfügung?
- Deine Körperhaltung: Bist du aufrecht und energetisch oder gebeugt, geduckt, schleichend oder unklar in deiner Körpersprache? Dein Pferd nimmt all das wahr. Setze deine Körperhaltung bei der Arbeit mit der Doppellonge deshalb bewusst ein.
- Deine Position zum Pferd: Befindest du dich auf Höhe des Kopfes, des Rumpfes oder der Flanke? Bremst du dein Pferd, schiebst du es nach außen oder treibst du es gerade vorwärts? Lädt deine nach innen gerichtete Schulter dein Pferd dazu ein, zu dir zu kommen, oder schickt deine Schulter es nach außen? Deine Position in Bezug auf dein Pferd ist von großer Bedeutung.
- Deine Stimme: Ist sie laut oder leise, aufmunternd oder beruhigend? Redest du permanent oder verwendest du kurze, eindeutige Signale? All das hat Einfluss auf dein Pferd. Lege deine Stimmkommandos bewusst fest und nutze sie möglichst eindeutig. Dauerbeschallung ist keine feine Hilfe – viele Pferde schalten dann irgendwann schlicht auf Durchzug.
- Dein Arm oder dein durch eine Gerte bzw. Peitsche verlängerter Arm: Damit kannst du deinem Pferd beispielsweise die Richtung anzeigen, es weichen lassen, die innere oder äußere Schulter ansprechen, es zum vermehrten Untertreten auffordern oder das Tempo beeinflussen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, deinen verlängerten Arm einzusetzen und deinem Pferd eine andere Form der Bewegung anzubieten.
- Deine Energie: Für mich ist sie eine der wichtigsten Hilfen. Damit meine ich nicht nur deine Körperhaltung, sondern auch die Intention, Motivation und innere Vorstellung, mit der du deinem Pferd begegnest und eine Bewegung anfragst.
-
Die beiden Leinen: Wer reitet, weiß, dass äußerer und innerer Zügel unterschiedliche Wirkungen haben und vielfältig eingesetzt werden können. Ähnlich können auch die beiden Leinen bei der Doppellongenarbeit dein Pferd unterstützen.
Wichtig ist für mich dabei ein sehr fein dosierter Einsatz. Anders als beim Reiten entstehen bei der Doppellongenarbeit zusätzliche Reibungspunkte. Je mehr Kontakt die Leine beispielsweise mit Unterlage, Longiergurt oder Fell hat, desto größer kann der Reibungswiderstand werden. Dadurch können höhere Kräfte auf den Kappzaum übertragen werden.
Ich persönlich lasse die äußere Leine deshalb nicht gerne über die Hinterhand laufen, sondern bevorzuge – je nach Verschnallung und Übung – einen Verlauf über den Rücken.
Welche Ausrüstung braucht dein Pferd für die Doppellongenarbeit?
-
Einen Longiergurt: Er sollte gut passen und dein Pferd weder in seiner Bewegung behindern noch einengen, quetschen oder scheuern. Auch am Widerrist und im Bereich des Ellbogens sollte nichts reiben. Gleichzeitig sollte der Gurt nicht verrutschen.
Ich verwende gerne eine schmale Longiergurt-Unterlage statt einer sehr langen Decke oder eines dicken Pads. Außerdem sollte der Longiergurt auf beiden Seiten über ausreichend Ringe verfügen, damit die Verschnallung an die jeweilige Übung und Arbeitshaltung angepasst werden kann.
-
Einen Kappzaum: Auch er muss gut passen. Er darf keinesfalls Richtung Auge rutschen, den Ohrgrund einengen, unangenehmen Druck im Genick erzeugen, am Jochbein scheuern oder die Atmung im Bereich der Nüstern beeinträchtigen.
Der Nasenriemen sollte auf dem knöchernen Bereich des Nasenrückens liegen und der Kappzaum insgesamt sicher sitzen, ohne zu drücken oder einzuschneiden. Ich bevorzuge leichte, weiche Kappzäume ohne schwere Metallteile oder Kettenglieder am Pferdekopf.
In meiner Praxis arbeite ich mit Kappzäumen von Edition Geitner®, die in verschiedenen Größen vom Mini-Shetty bis zum Kaltblut erhältlich sind. Inzwischen habe ich verschiedene Größen auch in meinem Praxisauto dabei. So können wir bei Terminen und Workshops direkt am Pferd ausprobieren, welche Größe und Einstellung wirklich passt.
Werbung | Ich arbeite in meiner Praxis mit Kappzäumen von Edition Geitner® und biete diese meinen Kundinnen und Kunden auch zum Kauf an. Für die Empfehlung bzw. Verlinkung erhalte ich keine Vergütung vom Hersteller.
-
Eine Doppellonge: Sie sollte möglichst leicht sein und kleine, leichte Karabiner besitzen. Gerade schwere Karabiner können bei Bewegung unangenehm gegen den Kappzaum bzw. den Nasenbereich schlagen.
Die passende Länge hängt davon ab, was du trainieren möchtest. Ich selbst besitze Doppellongen in verschiedenen Längen von 6, 10 und 16 Metern. Ob Fahren vom Boden, Seitengänge oder die Arbeit auf einem großen Zirkel – unterschiedliche Längen können für unterschiedliche Aufgaben sinnvoll sein.
Wichtig ist außerdem, dass die Karabiner durch die entsprechenden Ringe von Kappzaum und Longiergurt passen, wenn du unterschiedliche Verschnallungen nutzen möchtest. Meine Doppellongen habe ich übrigens selbst gebaut.
- Karabiner zum Umschnallen: Für mich ein Muss, weil es damit einfach schneller geht. 😄 Außerdem arbeite ich gerne im Intervall. Wenn der Timer die Pause ankündigt, möchte ich nicht erst lange mit dem Umschnallen beschäftigt sein. Schließlich soll mein Pferd seine Pause auch wirklich genießen können.
- Einen verlängerten Arm: Wenn nötig, kannst du deinen Arm durch eine geeignete Gerte oder Peitsche verlängern. Manche Pferde reagieren so fein, dass das gar nicht notwendig ist. Ich arbeite gerne mit einer leichten Fahrpeitsche, weil ich damit verschiedene Körperbereiche ansprechen kann und sie sich gut handhaben lässt.
-
Schaumstoffgassen oder Pylonen: Gerade auf dem Reitplatz finde ich es hilfreich, Übungen vorher zu planen und Wege sichtbar zu machen. Zirkel, Schlangenlinien oder Quadrate lassen sich beispielsweise mit Pylonen oder Gassen markieren.
Wer mich kennt, weiß: Ich liebe die blau-gelbe Welt! 😄 Deshalb sind Schaumstoffgassen und blau-gelbe Pylonen bei mir im Dauereinsatz. Sie geben dir und deinem Pferd Orientierung. Gerade beim Einstieg in die Doppellongenarbeit kann beispielsweise ein mit Pylonen markierter Zirkel sehr hilfreich sein.
Fahren vom Boden
In meinen Workshops erarbeite ich die klassische Doppellongenarbeit gerne zunächst aus dem Fahren vom Boden. Dabei positioniere ich mich hinter dem Pferd.
Wichtig ist dabei ein ausreichender Sicherheitsabstand. Bleibe so weit vom Pferd entfernt, dass du auch bei einer unerwarteten Reaktion nicht von den Hinterbeinen getroffen werden kannst.
Praxis
Du möchtest das Gelesene mit deinem Pferd in die Praxis umsetzen? Ich unterstütze dich gerne im individuellen Training oder im Rahmen meiner Workshops. Meine aktuellen Angebote und Termine findest du auf meiner Website.


